Niederösterreich 2013

Das Jahrestreffen 2013 fand im Weinhof Aufreiter in Angern bei Krems seinen Stützpunkt. Vom 6.6. bis zum 8.6. wurden hier Forschungsergebnisse präsentiert und zum Teil intensiv diskutiert, Netzwerke gepflegt und erneuert sowie interne Angelegenheiten der Forschungsgruppe besprochen und geregelt.

Der besondere Dank für die hervorragende Organisation und Durchführung des Jahrestreffens incl. der Exkursion gilt den Kolleginnen und Kollegen der Universität Wien, insbesondere (in alphabetischer Reihenfolge) Roxana CIUREAN, Christine EMBLETON-HAMANN, Helene PETSCHKO, Ronald PÖPPL und CATRIN PROMPER.

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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Jahrestreffen beim Tagesausklang in Krustetten
(Foto: Roxana L. CIUREAN, zum Vergrössern bitte Anklicken)

Exkursion Waldviertler Kristallin- und Lösslandschaften

Die diesjährige Exkursion führte von Angern durch verschiedene Landschaften im Übergangsbereich zwischen Wein- und Waldviertel bis an die Grenze zur tschechischen Republik, wo die kleinste Stadt Österreichs, bewacht von einer mächtigen Burg, im ansonsten dicht bewaldeten Thayatal liegt.

Anhand von fünf Haltepunkten wird die abwechslungsreiche Landschaft erklärt und deren Entstehung diskutiert.

  1. Kirchberg am Wagram - Mitterstockstall: Lösshohlwege und Kellergassen. Hohlwege entstehen durch Jahrzehnte und Jahrhunderte linearer Beanspruchung des Bodens durch Fahrzeuge verschiedener Art, die zur Bildung vor Erosionsrinnen führt. Dieses Phänomen tritt insbesondere in den Lösslandschaften des Waldviertels häufig auf. In vielen Hohlwegen wurden in der Vergangenheit Weinkeller angelegt (so genannte Kellergassen).
  2. Königsbrunn am Wagram: Aussichtspunkt Wagram / Tullnerfeld. Hier werden die verschiedenen Terrassenniveaus des Donau- und auch des Kamptales besprochen. Während der Wagram eine bis zu 40 m hohe markante Steilstufe bildet, weisen die unteren beiden Terrassen (Feld und Donaufeld) nur einen Höhenunterschied von 1-2 m auf. Die Problematik der Entstehungsgeschichte der Terrassenlandschaft und der zeitlichen Einordnung der einzelnen Terrassen wird hier intensiv diskutiert.
  3. Grafenberg: Verwitterungsformen im Granit (Kogelsteine und Feehaube). Durch seine charakteristische, durch Klüfte gesteuerte Verwitterung kann Granit bizarre Formen bilden, die als Wollsäcke, Felsburgen und viele weitere Begriffe plakativ beschrieben werden. Auch die Feehaube und die Kogelsteine, die vor Ort erklärt und diskutiert werden, fallen in diese Kategorie und zeugen davon, dass hier die Gesteine der Böhmischen Masse anstehen.
  4. Hardegg and der Thaya: Nationalpark Thayatal und Talmäander. Der grenzüberschreitende Nationalpark Thayatal besteht in einem markant in die ansonsten landwirtschaftlich genutze Hügellandschaft eingeschnittenen, dicht bewaldeten Tal. Diese antezedente Form ist durch ein System aus Talmäandern und Umlaufbergen gekennzeichnet. Trotz des Status als Nationalpark wird das Flußökosystem jedoch durch die Wasserkraftnutzung negativ beeinflusst.
  5. Stiefern: Paläoböden im Löss. An einem der mächtigsten Löss-Aufschlüsse Niederösterreichs sind zumindest zwei Niveaus von Paläoböden sichtbar, von denen der obere noch nicht datiert ist. Entsprechend intensiv ist die Diskussion zur Entstehung und zeitlichen Einordnung der beobachteten Formen und Strukturen.

In der Folge seien einige der genannten Punkte bildlich veranschaulicht (die Fotos können durch Anklicken vergrössert werden):

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Erklärungen zu Hohlwegen im Löss, Mitterstockstall
(Foto: Martin MERGILI)
Hohlweg bei Mitterstockstall
(Foto: Martin MERGILI)
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geomorph.at in Bewegung durch eine Kellergasse bei Mitterstockstall (Foto: Martin MERGILI) Blick über die Steilstufe des Wagram
nach Königsbrunn und ins Tullnerfeld (Foto: Martin MERGILI)
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Verwitterungsformen im Granit bei Grafenberg
(Foto: Martin MERGILI)
Auf einem Granitblock, Grafenberg
(Foto: Martin MERGILI)
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Feehaube bei Grafenberg (Foto: Martin MERGILI) Erklärungen zu den Verwitterungsformen im Granit, Grafenberg (Foto: Martin MERGILI)
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Hardegg an der Thaya
(Foto: Martin MERGILI)
Stiefern: Lössprofil mit Paläoboden
(Foto: Martin MERGILI)